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ISBN: 978-3-85371-481-2. Kategorie: Kultur und Gesellschaft.Wolf, Winfried: Tempowahn.
Vom Fetisch der Geschwindigkeit zur Notwendigkeit der Entschleunigung
Promedia 2021. 224 S. 14,8 x 21. brosch.
Print: € 22,00. ISBN: 978-3-85371-481-2.
E-Book: € 16,99. ISBN: 978-3-85371-885-8.
Hier klicken um eine Diskussionsrunde zum Buch mit dem Autor Winfried Wolf, Hermann Knoflacher (TU Wien) und Heiner Monheim (Universität Trier) zu hören.
Mit dem Begriff „Tempowahn“ verbindet man vordergründig Autorennen. Oder man assoziiert damit neue SUV-Modelle und Sportwagen mit 300 und mehr PS. Auch kommen einem die deutschen Autobahnen in den Sinn, auf denen über weite Strecken „Tempofreiheit“ herrscht. Der Verkehrsforscher Winfried Wolf findet beim Thema der Beschleunigung noch ganz andere, erstaunliche Zusammenhänge. Solche zwischen Tempowahn und Demokratieabbau, zwischen Geschwindigkeitsfetischismus und Faschismus, zwischen PS-Hochrüstung und Männlichkeitswahn oder zwischen Entschleunigung und Urbanität.
Wolf besuchte für seine Recherche die Automessen der Gegenwart. Entgegen allen Bekundungen ist dort für die Hersteller die Geschwindigkeit der neuen Modelle noch immer das wesentlichste Verkaufsargument – der SUV-Boom hält unverändert an. Nach dem aktuellen Befund dringt Wolf ein in die Geschichte der Mobilität als ständig beschleunigte Bewegung von Menschen, wobei diese – von der Eisenbahn über das Automobil bis zum Flugzeug – nicht mit einem Mehr an Kommunikation einherging.
Die schlimmste politische Ausformung fand der Geschwindigkeitsfetischismus im Faschismus: Henry Ford, ein begeisterter Anhänger der Nazis, Benito Mussolini und Adolf Hitler setzten auf Temporausch und Autorennen zur Durchsetzung ihrer – durchaus unterschiedlichen – Ziele. Doch auch in den heutigen Gesellschaften ortet der Autor eine fatale Verbindung zwischen Beschleunigung und autoritären Denkmustern.
Männer rasten schon immer gerne in den Tod. Winfried Wolf weiß von einer Reihe von Prominenten zu berichten, denen überhöhtes Tempo ein frühes Ende setzte: Vom NS-Helden Bernd Rosemeyer über den Schauspieler James Dean und den Formel-1-Fahrer Jochen Rindt bis zum FPÖ-Führer Jörg Haider.
Der Tempowahn ist auch für die Allgemeinheit äußerst schädlich: Rasende Autos und Betonorgien führen zu Stadtzerstörung und Verlust an Urbanität. Tempowahn und Geschwindigkeitsfetischismus, so konstatiert Wolf, müssen endlich der Entschleunigung und der Demokratie weichen.
Der Autor
Winfried Wolf, geboren 1949 in Horb am Neckar, studierte Politikwissenschaften in Freiburg und Berlin und promovierte in Hannover. Von 1994 bis 2002 war er Mitglied des deutschen Bundestags. Er ist Chefredakteur von „Lunapark21 – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie“ und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac. Im Promedia Verlag sind von ihm u.a. erschienen: „Verkehr. Umwelt. Klima. Die Globalisierung des Tempowahns“ (2. Auflage 2009) und „Mit dem Elektroauto in die Sackgasse“ (aktualisierte Neuauflage 2020).
22,00 € / 16,99 €
Wolf, Winfried: Tempowahn.
Vom Fetisch der Geschwindigkeit zur Notwendigkeit der Entschleunigung
Promedia 2021. 224 S. 14,8 x 21. brosch.
Winfried Wolf ist einer der schärfsten Kritiker des Auto- und des Flugwahns, überhaupt des Fetischs Mobilität. »Die Bewegung des Kapitals ist maßlos«, schreibt Marx im »Kapital«. Wolf belegt seit vielen Jahren, dass sich das kaum irgendwo deutlicher zeigt als beim Transport von Waren und Menschen – erstmals 1987 in dem Klassiker »Eisenbahn und Autowahn«. Das neueste Buch, »Tempowahn«, baut auf diesen älteren Veröffentlichungen auf. Wolf zeigt, dass sich trotz aller Diskussionen über eine klimapolitische Zeitenwende faktisch nichts geändert hat. Wir rasen immer schneller auf eine Katastrophe zu. Aber warum nur? (…) Was tun? Wolf macht am Ende des ertragreichen und gut lesbaren Buches ein paar sehr vernünftige Vorschläge, die indes nicht wirklich an die Wurzel gehen können.
https://www.jungewelt.de/artikel/414077.kapitalismus-und-verkehr-tempowahn-im-treibhaus.html
Klaus Gietinger, Junge Welt, 08.11.2021
Winfried Wolf hat schon in mehreren Büchern das Thema Tempo(wahn) aufgegriffen. Nun hat er es hier als einziges Thema, aber breit recherchiert, wieder aufgegriffen. So beginnt Wolf philosophisch mit dem Begriff Zeit und erläutert unsere die Entwicklung unserer Zeiteinteilung bis zu den Uhren. In den folgenden zwei Kapiteln zeigt der Autor auf, wie Kanäle/ Schiffe und die Eisenbahn unser Lebenstempo beeinflussten. Anschließend geht es über die Motorisierung des „kleinen Mannes“ zu einem gewichtigen Themen-Duo: Fordismus und Faschismus.
mobilogisch 3/21, Juli 2021
In seinem neuesten Buch stellt Winfried Wolf den Tempowahn in den größeren Zusammenhang der Entwicklung der Verkehrsmittel seit Beginn der industriellen Revolution. Dabei belegt er, dass die erste große Neuerung nicht der Bahnverkehr war, sondern die gewaltige Ausdehnung des Schiffsverkehrs mittels umfangreicher Kanalbauten. Mit der Bahn allerdings gelang eine „qualitative Geschwindigkeitssteigerung“ (nicht zuletzt durch die neue Art der Streckenführung). Dies und alle weiteren Darlegungen in seinem Buch sind ‒ wie bei ihm üblich ‒ gut nachvollziehbar erläutert und dokumentiert. (…) Das Buch ist uneingeschränkt zu empfehlen. Ich wünsche ihm eine große Verbreitung.
https://nulltarif-im-nahverkehr.de/aktuelles.html
Jakob Schäfer, www.nulltarif-im-nahverkehr.de, 30.06.2021
Der streitbare Verkehrsexperte und -aktivist Winfried Wolf legt hier eine kurzweilige (…) Kulturgeschichte über Zeit, Raum und Transportgeschwindigkeit vor.
Wirtschaft & Umwelt Nr. 2/2021
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