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ISBN: 978-3-85371-439-3 Kategorie: Edition Kritische Forschung.Harnoncourt, Julia: Unfreie Arbeit.
Trabalho escravo in der brasilianischen Landwirtschaft
Promedia 2018. 248 S. 13,5 x 21. brosch.
€ 30,00. ISBN: 978-3-85371-439-3
Edition Kritische Forschung
Verschlungene Produktionsketten machen es kaum nachvollziehbar, wo und unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden, die auf dem Weltmarkt landen. Lebensunwürdige Arbeitsbedingungen und unfreie Arbeit sind ein wesentlicher Bestandteil der Herstellungsbedingungen von Lebensmitteln, Energieversorgung, Infrastruktur und diversen Fertigprodukten. Unfreie Arbeit ist Teil des kapitalistischen Systems.
In diesem Buch wird unfreie Arbeit in einer interviewbasierten Fallstudie behandelt: Trabalho escravo, der in Brasilien gebräuchliche Begriff, wird dabei in der Landwirtschaft im brasilianischen Bundesstaat Pará (von 1995 bis heute) sowohl auf seine lokalen als auch auf die globalen Komponenten untersucht. Pará, der im Amazonasgebiet liegende, periphere Bundesstaat Brasiliens, ist besonders durch das Arbeitsverhältnis trabalho escravo geprägt. Hier gibt es die meisten unfreien Arbeiter und hier wurden die meisten Unternehmen verurteilt.
Die Ausgangssituation der Arbeiter – zu 96% Männer – ist von einem harten Überlebenskampf geprägt. Sie werden unter Vortäuschung falscher Tatsachen angeheuert, ein Arbeitsverhältnis in einer entlegenen Gegend im Amazonasgebiet einzugehen. Schon bei der Reise dorthin verschulden sie sich. Es erwartet sie ein enormes Arbeitsausmaß, das kaum Möglichkeiten zur Reproduktion ihrer Arbeitskraft bietet. Eine medizinische Versorgung für die oft auftretenden Arbeitsunfälle existiert nicht, es mangelt an Wasser und angemessener Verpflegung. Die Bezahlung der Arbeitsleistung ist minimal und wird durch ein rigides Schuldsystem dramatisch geschmälert. Zusätzlich gibt es bewaffnete Aufpasser, die die Arbeiter am Verlassen des Unternehmens hindern.
Julia Harnoncourt beschreibt neben den konkreten Ausprägungen der sklavenähnlichen Abhängigkeiten auch die lokalen und globalen Faktoren, die zu dieser Art der Ausbeutung führen. Denn unfreie Arbeit ist vom lokalen Kontext ebenso geprägt wie von globaler Migration, transnationalen Vernetzungen, Geldflüssen und der globalen Machtdynamik.
Julia Harnoncourt, geboren 1985 in Wien, dissertierte 2017 zum Thema trabalho escravo und arbeitet als externe Lektorin an der Universität Wien. Wissenschaftlich beschäftigt sie sich mit verschiedenen Faktoren der Ungleichverteilung, mit Arbeit, Migration, Rassismus, Sklaverei und Kolonialismus, wobei sie sich sowohl für den Aufbau und die Reproduktion von Macht als auch für Widerstandsbewegungen interessiert.
30,00 €
Harnoncourt, Julia: Unfreie Arbeit.
Trabalho escravo in der brasilianischen Landwirtschaft
Promedia 2018. 248 S. 13,5 x 21. brosch.
Harnoncourt’s study shows that capitalism itself creates the basis for today ́s existence of unfree labour.
Laurin Blecha, Global Labour Journal, September 2020
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Buch in verdienstvoller Weise auf der Basis entwickelter theoretischer Reflexionen und in methodisch höchst solider Qualität die Augen über eine Art von Halb-Sklaverei öffnet und vor allem auch eindrucksvoll nachweist, neben der präzisen und anschaulichen Darstellung dieser krassen Ausbeutungsverhältnisse, wer davon profitiert und welche Netzwerke den Kampf dagegen behindern.
Klaus Firlei, Das Recht auf Arbeit, Juni 2019
Eines gleich vorweg: wiewohl es sich beim vorliegenden Band um eine DIssertation handelt, ist der definitorisch-methodische Beschreibungsteil relativ kurz gehalten. Mag es am Thema oder am Lektorat liegen, ist so ein flüssig zu lesendes Sachbuch entstanden, das Einblicke in eine Materie bietet, die uns höchstens in reißerischen Schlagzeilen begegnet. (…) Ein wichtiger und lesenswerter Beitrag, der durch die jüngsten Rückschritte in der Bekämpfung von trabalho escravo durch die Temer-Administration an (trauriger) Aktualität gewinnt.
Jürgen Kreuzroithner, Lateinamerika anders, Oktober 2018
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